Posts Tagged ‘Pharma’

Die Invasion der Nutzlos-Pillen

31. Oktober 2010

In wessen Sinne die Regierung handelt, zeigt der Fall des Prüf-Instituts IQWiG. Das soll die Bürger vor nutzloser Medizin schützen. Dies wird ihm künftig sehr schwer gemacht.

FDP-Minister Rösler treibt seit seinem Amtsantritt mit kleinen Schritten die Demontage des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen voran. Das unabhängige Institut mit der sperrigen Abkürzung IQWiG (gesprochen Ickwick), rund 100 Beschäftigten und Dienstsitz in Köln gilt in gesundheitswirtschaftlichen Kreisen als Autorität.

Die Kontrolleure des deutschen Medizin-TÜV bewerten anhand wissenschaftlicher Studien die Kosten und den Nutzen von Arzneimitteln, Therapien, Medizinprodukten. Ihre Gutachten sind ausschlaggebend dafür, welche Medikamente von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden – oder eben nicht.

Man kann sagen, dass das IQWiG der mittelständischen Industrie Millionengeschäfte vermasselt. Man kann auch sagen, dass es die Interessen von 70 Millionen gesetzlich krankenversicherten Menschen vertritt. Je nach Standpunkt. „Die bisherigen Standards der Nutzenbewertung sollen verwässert werden“, warnt Gerd Glaeske, Professor für Arzneimittelforschung und Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen.

Statt aufwendiger, oft mehrjähriger Kosten-Nutzen-Analysen soll es künftig nur noch Nutzenschnellbewertungen durch das IQWiG geben – binnen drei Monaten und auf fragwürdiger Datenbasis. Schließlich soll die Beweislast umgekehrt werden. Bislang mussten die Hersteller dem IQWiG beweisen, dass ihr neues Medikament einen zusätzlichen Nutzen für die Patienten habe gegenüber herkömmlichen Medikamenten. Künftig sollen es die Medizinkontrolleure sein, die der Pharmaindustrie nachweisen müssen, dass deren Arzneimittel „unzweckmäßig“ seien.

Der Nachweis der Nichtexistenz des Nutzens ist eine wissenschaftliche Unmöglichkeit, sagt der Leiter des IQWiG, Jürgen Windeler: „Man kann beweisen, dass etwas da ist, man kann durch Studien den Nutzen beweisen, man kann auch sagen, es gibt keinen Beleg für einen Nutzen. Aber man kann nicht beweisen, dass etwas nicht da ist“.

Vollständiger Kommentar von Heike Haarhoff: www.taz.de

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Affären: Operation Hippokrates

23. März 2010

Wie ernst ist es dem Gesundheitsminister mit seiner jüngsten Attacke auf die Industrie? Seine FDP hat gerade den mächtigsten Pharmakritiker des Landes entsorgt. Erst wurde die Ablösung beschlossen – dann nach Gründen gesucht. Die Chronologie einer Intrige. […] Es gibt kaum einen Menschen (Anm.: Peter Sawicki), den die Pharmaindustrie mehr hasst – aber auch keinen, den sie mehr fürchtet. Denn so smart der 53-Jährige auf manche wirkt, so kompromisslos ist er in seinen Urteilen. Ein Gutachten von ihm gegen ein Blockbuster-Medikament – und schon muss die Industrie um einen Milliardenumsatz bangen. […] die neue Bundesregierung brauchte keine vier Monate, um ihn zur Strecke zu bringen.

Am Ende ging es um ein paar Spesenquittungen und dumme, aber strittige Fehler. In Wahrheit ging es um Macht, wissenschaftliche Unabhängigkeit und Parteipolitik oder, wie der Bremer Gesundheitsökonom Gerd Gläske sagt, „um einen Kotau vor den Interessen der Industrie“.

Der ganze Artikel von Markus Grill auf http://www.spiegel.de

Gesundheitsministerium wollte IQWiG-Chef früher loswerden als bisher bekannt

21. März 2010

Die Entmachtung des Leiters des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Peter Sawicki, war offenbar früher geplant als bisher bekannt. […] Demnach erklärte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum (FDP), bereits am 29. Oktober 2009 auf einer Vorstandssitzung der IQWiG-Stiftung, dass er wisse, dass das Ministerium Sawicki nicht mehr wolle. Erst einen Tag zuvor wurde Philipp Rösler (FDP) zum Gesundheitsminister ernannt. Vom „Spiegel“ konfrontiert, lehnten Minister Rösler und Baum jede Stellungnahme ab. Erst zwei Wochen nach dieser Vorstandssitzung wurde die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO beauftragt, mit mehreren Prüfern die Spesenquittungen und den Dienstwagen des IQWiG-Chefs „vollumfänglich“ zu durchleuchten. Der Auftrag an die BDO kostete mehr als 20.000 Euro. Er wurde nicht öffentlich ausgeschrieben, obwohl die beim IQWiG gültige Verfahrensordnung vorsieht, dass alle Aufträge ab einem Nettowert von 12.500 Euro ausgeschrieben werden müssen. Der Sprecher des IQWiG-Vorstands, Johann-Magnus Freiherr zu Stackelberg, lehnte es ab, die Frage zu beantworten, weshalb der Auftrag nicht ausgeschrieben wurde.

Quelle: http://www.elo-forum.net

Peter Sawicki kritisiert Macht der Arzneimittel-Konzerne

21. März 2010

Der Pharmakontrolleur Peter Sawicki hat die Macht der Arzneimittel-Konzerne kritisiert. “Die Macht der Pharmalobby ist riesig. Die Pharmaindustrie beeinflusst alles: vom Politiker, über Gremien, über Zulassungsbehörden, über Ärzteorganisationen, Ärzte, bis hin zu Selbsthilfegruppen“, […]

Sawicki ist Leiter des Kölner Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das den medizinischen Nutzen von neu entwickelten Medikamenten untersucht. Vergangenen Freitag war bekannt geworden, dass sein Ende August auslaufender Vertrag als Institutsleiter nicht verlängert wird. […]

Quelle: http://www.blogspan.net